Donnerstag, 15. Dezember 2011

Fracking - Gefährliche Gier

Ein kleiner Ort kämpft gegen einen Weltkonzern – so beginnt mein Film „Gefährliche Gier“. Und tatsächlich: Hier kämpft David gegen Goliath. David, das sind die Bürger des 2000-Seelen-Ortes Lünne im südlichen Niedersachsen, eigentlich ein unternehmerfreundlicher, konservativer Landstrich.

Schild "Vorsicht Hochdruckbereich"Goliath, das ist der US-Konzern ExxonMobil, in manchen Rankings als größter Konzern der Welt betitelt. Mit so einem Gegner legt man sich nicht einfach an, den Menschen muss etwas unter den Nägeln brennen. Sie fürchten sich vor einer Technik, die in den USA zu dramatischen Umweltfolgen geführt haben soll: Die Rede ist von Fracking.

Ich habe zum ersten Mal Ende 2010 davon gehört. Ein Journalisten-Kollege aus Amerika erzählte mir von brennenden Wasserhähnen. Die Szenen, in denen Menschen ein Feuerzeug an ihr Leitungswasser hielten und eine Stichflamme erzeugten – sie liefen bereits im US-Dokumentarfilm „Gasland“ von Josh Fox. Josh Fox zeigte erstmalig, welche negativen Folgen ein Gasförderboom in Amerika hatte. Dafür wurde er für den Oscar nominiert – und von der Industrie zum Feind erklärt. Der Widerstand gegen die Technik „Fracking“ ist heute so groß wie nie zuvor. Nicht nur in den USA. Auch in Deutschland gehen die Menschen auf die Straße und protestieren gegen ExxonMobil und Co. Denn auch hierzulande soll Fracking nach dem Wunsch der Konzerne einen Gasförderboom auslösen.

Die Materie ist relativ komplex. Fracking kann zum einen bislang ungenutzte Erdgasfelder überhaupt erst förderbar machen, zum anderen kann die Technik dafür genutzt werden, schon angezapfte Gaslager besser auszubeuten. Letzteres wird in Deutschland schon seit vielen Jahren gemacht. Dass dabei tonnenweise zum Teil sehr giftige Chemikalien in die Erde gepumpt wurden, hat die Öffentlichkeit erst erfahren, nachdem sich der Protest formierte. Einige Konzerne behalten die genaue Rezeptur der verwendeten Stoffe für sich. Sie berufen sich auf ihr Betriebsgeheimnis. Völlig unverständlich für Menschen, die in der Nachbarschaft von Erdgasbohrungen leben. Dass alles sehr sicher sei, und die Ängste oft überzogen, haben die Unternehmen auch mir gegenüber immer wieder versichert.

Reporter Christian Wilk (r.) spricht mit Anwohner Heinrich Schröter. Bei ihm vor der Haustür ereignete sich ein Umweltschaden, ausgelöst durch die ErdgasförderungBei uns gebe es strenge Auflagen, alles würde minutiös überwacht, nichts dem Zufall überlassen. Und doch mussten alle Konzerne eingestehen: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Spätestens seit der Katastrophe von Fukushima erwarten die verunsicherten Bürger aber genau das. Sie sind nicht bereit, ein Restrisko in Kauf zu nehmen, geschweige denn ein „beherrschbares Risiko“. Deshalb gehen sie auf die Straße. In Lünne, in Bötersen, in Nordwalde – und anderswo. Erst jetzt haben die Konzerne reagiert. ExxonMobil hat einen „Dialogprozess“ ins Leben gerufen. Unabhängige Wissenschaftler beschäftigen sich derzeit mit den Risiken von Fracking. Ein Ergebnis wird für nächstes Jahr erwartet.

Und gerade jetzt schaltet der Konzern Anzeigen und Werbespots. Aus den PR-Aktivitäten lässt sich ablesen: Der Konzern will ein Verbot von Fracking verhindern. Es geht um viel Gas und viel Geld, einige Experten sprechen sogar von einem „Millionenschatz“, der unter der Erde Deutschlands schlummert, uns gar unabhängig von Gasimporten machen könnte. Von Versorgungssicherheit ist oft die Rede. Doch aus der jüngsten Atom-Debatte konnte man ablesen: Die Akzeptanz der Bevölkerung ist bedeutsamer, als Gewinnmaximierung. Der Schlüssel dazu ist Transparenz: Offen über Risiken sprechen, Bürger in Entscheidungsprozesse einbeziehen, Entsorgungsproblematiken klären – daran mangelt es noch an vielen Stellen. In meinen Gesprächen habe ich immer wieder gehört: Das Vertrauen in die großen Öl- und Gas-Konzerne ist verloren gegangen. Deutschland ist auf dem Weg in ein Zeitalter der regenerativen Energien. Für Risiken, auch angeblich beherrschbare Rest-Risiken, ist da kein Platz mehr.

- Christian Wilk


Problem Fracking - Fracking gefährliche Gier - ZDF zoom 2011







Kommentare:

  1. Wer die Erde vergiftet hat kein Recht von ihr zu leben. Ich kann es nicht fassen. Jeder weiß was in Amerika mit dem Grundwasser passiert ist.Man muß dieser gottverdammten Gier einhalt gebieten.

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  2. Pervers, abartig, unglaublich... mir fehlen die richtigen Worte für diese Vorgehensweisen der Energiekonzerne..

    Vielen Dank für diesen sehr wichtigen Beitrag zur Aufklärung!

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  3. Stoppt diesen Wahnsinn diese Konzerne zerstören unsere Heimat. Für Immer


    Die meisten unserer Politiker bekommen Geld von solchen Konzernen. Stopt die BRD GmBH

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  4. Es ist einfach unbegreiflich, wie Konzerne und Politiker sich über das Wohl und die Meinung der Bevölkerung hinwegsetzt. Hauptsache, es bringt möglichst schnell möglichst viel Profit. Die Bevölkerung wird bei der Entscheidung nicht mit einbezogen - oder aber nur scheinbar. Es ist eine große Schande, wie mit den "normalen" Menschen umgegangen wird, schaden tut es im Endeffekt uns allen. Später werden die Schuldzuweisungen hin- und hergeschoben, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird. Sowieso ist es dann zu spät. Bleibt nur zu hoffen, dass sich weltweit so große Protestbewegungen in Gang setzen, dass den zuständigen Konzernen und Politikern nichts anderes mehr übrig bleib, als auf die Bevölkerung zu hören. Denn Energie zum Preis von Gesundheit und Umwelt kann kein vernünftig denkender Mensch wollen.
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

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  5. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie einen so tendenziösen Film gesehen.
    - Einzelfälle von Menschen, deren Haus ein wenig gewackelt hat und ihr Wasser jetzt aus einem Container statt der Wasserleitung bekommen.
    - Einzelfälle von einigen Projekten die vielleicht tatsächlich etwas fragwürdig sind (Gelsenwasser)
    - dramatische bedrohliche Musik
    - das spielen mit Schlagwörte: Radioaktiv !!!!!
    - Kontrastierung profitabler Geschäfte gieriger und mächtiger Konzerne mit dem tapferen Widerstand der Anwohner (die Einen sind per Definition böse, die Anderen ahnungslos, aber gut)
    - die böse Wirtschaft und der gute Staat (der zwar ein bisschen schlafmützig ist, aber mit Regulierungen und Verboten alles wieder heil machen wird)
    - Suggestivfragen ohne Ende

    Was der Film nicht sieht:
    + Das WIR es sind, die Gas verbrauchen, um es im Winter schön warm zu haben,
    + das die bösen Konzerne und nicht die Regierung Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen
    + das 9000L Chemikalien sich vielleicht nach viel anhören aber in riesigen Tiefen über Quadratkilometer verteilt durchaus sehr wenig sein können
    + das die wirtschaftliche Belebung einer Gegend und die Förderung von Erdgas in Millionen- oder Milliardenwert eine Verseuchung von Wasserreserven (und Nutzung anderer Wassergebiete) vielleicht wert ist
    + das man zu erwartende und eingetretene Schäden (z.B Häuserschäden) durchaus über Wiedergutmachungen der Konzerne oder des Staates (über die eingenommenen Steuern) ausgleichen kann
    + das ein Unternehmen vielleicht nicht ohne Grund Angst davor hat, zu erzählen, das 0,000001% der Pumpmengen radioktiv sind, weil Menschen auf das Wort irrational reagieren und die Prozentangabe überhören
    + das man bezüglich der Gesundheitsgefärdung nichts als vage Befürchtungen vorzuweisen hat
    + das es kein Verbrechen ist, sich in ein goldenes Buch einzutragen und einen anmaßenden aber unglaublich mutigen und tapferen Journalisten dafür mal ein paar Minuten warten zu lassen
    + und vieles mehr

    ... wird nicht gesehen. Das Ganze erinnert mich ehrlich gesagt an Kubrick, Nixon und der Mann im Mond.


    Statt zu informieren und dabei tatsächliche Misstände (wie wahrscheinlich die Sache mit der "Verklappung" des Abwassers) umso deutlicher hervortreten zu lassen wird pauschal Angst gemacht. Dem unkritischen Zuschauer wird nicht die Chance gegeben, sich ein eigenes Bild zu machen. Stattdessen wird dem Zuschauer eine vorgefertigte Meinung, ein vermeintlicher Skandal mit Holzhammermethoden eingetrichtert.

    Ich arbeite nicht in der Öl&Gasindustrie. Und ich finde, dass die Leute, die wirtschaftlichen erlitten haben entschädigt werden müssen. Und ich finde, dass Firmen wie Exxon bei in Zukunft möglicherweise auftretenden Unfälle auch zur Haftung herangezogen werden.

    Aber mir wird Angst um ein Land, dass getrieben von vagen Ängsten, neue Industrien und Technologien pauschal verbieten will. Und Konzernen pauschal unterstellt, unverantwortlich und menschenverachtend zu handeln.

    Ich frage mich wirklich, ob der Autor des "Dokumentarfilms" sich darüber bewußt ist, was für eine Verantwortung er als Meinungsmacher hat und was für einen Schaden er bei Missbrauch dieser Macht anrichten kann.

    Denn, ganz im Ernst, wäre der Film ein klein wenig objektiver, würde er viel an Glaubwürdigkeit gewinnen. Und wäre damit auch sehr viel wirksamer in dem, was wirklich getan werden muss und was er vielleicht auch erreichen will.

    Ein Bewußtsein für das Thema zu schaffen, eine umfassende Chancen/Risikoabwägung anzustossen und die veraltete Regulierung an die neuen Technologien anzupassen. Alte Feindbilder zu kultivieren: Böse gierige Industrie da, gute Bürgerinitative mit kleinen Kindern dort, mag für die alternative Seele wohltuend sein. Probleme löst es nicht.

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  6. Das Problem, junger Anonymus I, besteht ganz einfach darin, daß wir zuwenig über die dynamischen Vorgänge im Boden wissen; zuwenig Daten. Daten ergeben in der Regel ein Standbild. Wir haben es aber mit Dynamik zu tun. Punkt zwei. Die Konzerne sitzen auf ihren Daten, das Miltär sitzt auf seinen Daten. Der Forschung zugänglich gemacht, könnten sie dabei helfen, einige Dunkelstellen aufzuhellen. Vielleicht. Jedoch, das geschieht nicht. Und was den Planungs- und Beschlussfassungsprozess angeht, so können sie getrost davon ausgehen, daß an irgendeiner Hebel-Stelle, ein Charakterschwacher oder ein Debiler sitzt oder ein charakterschwacher Debiler , der dafür sorgt, daß Dinge in Bewegung gesetzt werden, von denen er nichts versteht. Das nennet man das Peter-Prinzip. Befördert bis zur Inkompetenz, dann jedoch, nicht zurückbefördert. Inkompetente sitzen z. B. an unseren Universitäten und lehren Weltbilder von Übergestern und wie man Kreativität vermeidet. Wissenschaft ist oft spekulativ, aber keineswegs oft kreativ. Dafür sorgen schon die kleinen grauen Männer, in den Hinterzimmern, die das Licht scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Wieso werden Völker mittels Propaganda beeinflusst, nicht selbstständig zu denken? Was wäre Ihre Vermutung?
    Es gäbe noch ein Menge zu sagen, aber Schluss. Geschwätzig machte mich ihr anonymes Posting, ja. ja.... ..

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  7. Petition: Stopp Fracking! - Für Gewässerschutz, für Transparenz & Bürgerbeteiligung
    https://www.openpetition.de/petition/online/stopp-fracking-fuer-gewaesserschutz-fuer-transparenz-buergerbeteiligung
    Von: Jürgen Stemke
    An: Landtag
    Region: Niedersachsen
    Status: Petition in Zeichnung
    55 Tage verbleibend (16.04.2013)

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