Montag, 28. Mai 2012

Es ist genug.

Liebe LeserInnen, liebe Mitmenschen.

355 Artikel sind genug. 2012 und doch ist alles beim Alten, oder nicht? Ich weiß es nicht, aber wir werden schon noch schlauer werden. Wenn nicht dieses Jahr, wann dann? Wie lang kann es noch so weitergehen? 10, 100, 1000, 10.000 weitere Jahre mit Kapitalismus, Globalisierung und Geld? Sollen wir uns für den Wandel rüsten, oder wird sich das Hamsterrad ewig weiter drehen?

Fragen über Fragen. Alles würde ich für Antworten geben.


Wenn sich 2012 nichts ändert, wenn uns niemand zu Hilfe kommt, wenn wir nicht endlich zu Sinnen kommen, dann wird sich wohl nie etwas ändern. Zumindest werde ich es nicht mehr erleben. Tausende Menschen habe ich mit meinen Artikeln informiert. An die 1.000.000 Seitenzugriffe kann ich verzeichnen, seitdem der Blog 2009 online gegangen ist. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, etwas erreicht zu haben. Der Stein ist wohl zu heiß, als dass ein paar Tropfen etwas ändern könnten.

Noch tausende weitere Artikel könnte ich darüber schreiben, wie schlecht es um uns steht, wie gut wir es haben könnten und warum wir uns nicht erlösen. Tausende Beiträge könnte ich darüber schreiben, wie wir uns mit diesem System selbst bestrafen. Ein System, dass Negatives fördert und die Liebe erstickt. Tausende Artikel könnten meine Finger noch verlassen, doch meine Finger werden mit jedem Tag schwerer und schwerer. Nicht, weil der Kämpfer in mir das Schlachtfeld verlässt, sondern, weil er sich zurückzieht um wirkungsvollere Strategien zu entwickeln. Schon Paulo Coelho hat geschrieben, ein Krieger des Lichts solle in seinen Gebeten nichts fordern, denn das Universum gibt nach seinen eigenen Plänen.

Hört nicht auf zu kämpfen. Bleibt euch treu. Seid anders, denn normal gibt es nicht.




Alles Gute




















Der Blog bleibt online und das Wissen gespeichert. Seht ihn als eure Bibliothek.
Ich würde mich weiterhin über Kommentare und Diskussionen freuen.

Samstag, 19. Mai 2012

Der Songcontest als Wutprobe

Zu Gast bei Schurken? Party beim Diktator? Aserbaidschan gilt als autoritäres Regime, doch die Verantwortlichen des Eurovision Song Contest wollen davon wenig wissen. Der Songcontest in einem Land, in dem es viel Armut, keine Pressefreiheit und in weiten Teilen des Landes kein fließendes Wasser gibt - kann das gut gehen?

 
3sat-Kulturzeit-Mitschnitt - Ein Betrag über die grenzenlos abartige Spaßgesellschaft




Verhaftung Oppositioneller in Baku

Sonntag, 6. Mai 2012

Das Energiekartell

Europa im Griff der Energiekonzerne? Sind die Energiekonzerne ein Kartell? 20 Milliarden Euro in drei Jahren – das ist der Gewinn von RWE. Der Energiekonzern mit Sitz in Essen konnte seinen Börsenkurs von 2003 bis 2006 verdreifachen. Ähnlich gute Ergebnisse erzielen auch die anderen deutschen Energieriesen E.ON, Vattenfall und EnBW. Gleichzeitig steigen die Strom- und Gaspreise in astronomische Höhen. Gegen die Tricks der Energieriesen scheinen die Verbraucher machtlos zu sein, und die Politik schaut weg. Wer rettet uns vor dem Kartell?

Rendite-Rekorde mit dramatischen Folgen: “In der Industrie sind Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Gefahr”, schimpft Werner Marnette, Chef von Europas größter Kupferhütte in Hamburg. “Und für die Bürger sind die Preissteigerung katastrophal”. Die aber setzen sich inzwischen zur Wehr. Überall in Deutschland formiert sich Widerstand. Bürger zahlen ihre Stromrechnungen nicht mehr, klagen gegen Preiserhöhungen und schließen sich zu Genossenschaften zusammen, um billiger Gas einzukaufen.



Doch günstigere Anbieter sind rar. Denn die “großen Vier” haben ihre Marktmacht bestens organisiert – mit tatkräftiger Hilfe der Politik. Statt den Wettbewerb zu fördern, hat die Politik das Monopol der Konzerne erst gefestigt. Zu Zeiten der rot-grünen Koalition, in der Amtszeit von Wirtschaftsminister Werner Müller, der aus der Energiebranche erst in die Politik und dann wieder dorthin zurück wechselte, durfte E.ON mit der Ruhrgas AG fusionieren – gegen das Votum der Kartellbehörde. Der so entstandene Energieriese ist für viele Kritiker der Sündenfall der deutschen Energiepolitik.

Wie nah sich Politik und Energieunternehmen sind, zeigte sich auch 2005. Auf Druck der Europäischen Union sollte ein neues Energiewirtschaftsgesetz mehr Wettbewerb bringen. Doch die Energie-Lobbyisten führten bei der Gesetzgebung gekonnt Regie. Bis in die letzte Verhandlungsrunde versuchten sie erfolgreich, ihre Interessen durchzusetzen und das neue Gesetz aufzuweichen.

Nirgendwo aber funktioniert das Energiekartell so perfekt, wie an der Leipziger Strombörse EEX. Hier entstehen täglich Preise, die selbst Experten nicht verstehen. Von Manipulation ist die Rede, und Insider berichten, wie man auf dem engen deutschen Strommarkt Kurse nach Belieben in die Höhe treiben kann.


Gas kommt aus Russland und an der Grenze kostet es 16 € mW/h (Megawattstunde) - bei den Haushalten wird das Gas "durch den Transport" teurer. Dort kostet die mW/h 44 €. Wie kann das sein?



Das Kartell - Das kriminelle Netzwerk der Energiekonzerne (Doku)


 Verwandter Beitrag: "Das Pharmakartell"

Freitag, 27. April 2012

Fasten und Heilen

Altes Wissen und neueste Forschung


Obwohl die Lebenserwartung in den westlichen Ländern steigt und die Menschen älter werden als je zuvor, nehmen gleichzeitig auch die Fälle von Diabetes, Bluthochdruck und Krebs unablässig zu, und der Medikamentenkonsum steigt exponentiell. Bleibt den Menschen also nichts anderes übrig, als immer mehr Chemie zu schlucken, um gesund zu bleiben oder es wieder zu werden? Oder gibt es auch andere Möglichkeiten, sich vor Krankheiten zu schützen oder diese zu therapieren?

Seit über 50 Jahren erforschen Wissenschaftler in Russland, Deutschland und den Vereinigen Staaten eine alternative Heilmethode, das Fasten. Und sie kommen zu erstaunlichen Ergebnissen. Russische Forscher haben beispielsweise eine Reihe höchst aufschlussreicher klinischer Studien durchgeführt, die jedoch nur in russischer Sprache veröffentlicht wurden und deswegen im Westen weitgehend unbeachtet blieben. Nun räumen junge Biologen der University of Los Angeles mit alten Klischees auf. Mit Hilfe der Molekularbiologie belegen sie die weitreichende Wirkung des Heilfastens. Damit eröffnen sich der Medizin, darunter der Krebstherapie, ganz neue Perspektiven. Wenn diese Wissenschaftler recht haben, wird die Schulmedizin grundsätzlich umdenken müssen.

 Fasten und Heilen - arte HD

Mittwoch, 25. April 2012

Das glücklichste Volk der Welt

Sieben Jahre bei den Piraha-Indianern am Amazonas

Weltweit existieren heute etwa 7.000 Sprachen. Eine der merkwürdigsten ist die der Piraha, einer Gruppe von Ureinwohnern im brasilianischen Amazonasgebiet. Der amerikanische Sprachforscher Daniel Everett hat jahrelang mit den Piraha gelebt.
Sie besitzt nur drei Vokale und sieben Konsonanten, kann gesungen, gesummt oder auch gepfiffen werden: die Sprache der Piraha. Die Piraha, Ureinwohner Brasiliens, leben am Maici-Fluss tief im Amazonasgebiet - zwei Tagesreisen von jeder Zivilisation entfernt. Daniel Everett lernte die Piraha 1977 als junger Missionar und Sprachforscher kennen.

"Ich war gerade 26, als ich mit meiner Familie und drei Kindern in Brasilien ankam, um als Missionar in den Dschungel zu gehen und die Piraha zu bekehren", erinnert sich Everett. "Ich war ihnen zugeteilt worden und sollte die Bibel in ihre Sprache übersetzen."

Kein Augenzeuge für Jesus' Existenz

Sieben Jahre lang blieb Daniel Everett in dieser völlig fremden Welt, die ihn mit einer der ungewöhnlichsten Kulturen konfrontierte. Daniel Everetts Auftrag gestaltete sich schwieriger als gedacht. Zwar nahmen die nach wie vor als Jäger und Sammler lebenden Piraha den Missionar in ihrer Mitte auf, bekehren ließen sich die rund 300 Ureinwohner aber nicht.

"Nachdem ich einige Monate dort war und die Sprache schon halbwegs beherrschte, kamen eines Tages mehrere Männer in mein Haus und sagten: Wir mögen dich und wir wissen, dass du uns magst und dass du hergekommen bist, um uns über Jesus zu erzählen. Aber wir wollen nichts über ihn hören", erzählt Everett. "Wir sind keine Amerikaner. Wir sind Piraha, und Piraha glauben nicht an Jesus. Ein anderes Mal fragten sie mich über Jesus aus: Hast du ihn gesehen, welche Hautfarbe hat er, wie groß ist er? Und als ich sagte, dass ich ihn nie gesehen hätte, fragten sie, nun, hat dein Vater ihn gesehen? Nein, mein Vater hat ihn nicht gesehen. Und sie sagten: Also niemand, den du kennst, hat ihn gesehen? Warum erzählst du uns dann von ihm? Wir würden nie über etwas sprechen, wofür wie keine Beweise haben. Wenn es keinen Augenzeugen gibt und du selbst keiner bist, solltest Du nicht darüber sprechen."

Kein Wort für Liebe

Daniel Everett stellte schnell fest, dass die kulturellen Eigenheiten und die einzigartige Sprache der Piraha allen Erwartungen zuwiderläuft. So existieren weder Ausdrücke für Farben wie rot oder blau, noch gibt es Worte für Abstraktes, etwa für Gefühle.

"Sie kennen kein Wort für Liebe - ich meine, sie umschreiben es: 'Ich mag dich sehr'. Das ist nicht ungewöhnlich", meint Everett. "Das findet man auch im Spanischen und in anderen Sprachen neben einem allgemeinen Wort für Liebe. Sie sprechen nicht über die Zukunft - 'Ich wundere mich wie das Leben in vielen, vielen Wassern sein wird' - oder etwas in der Art.Das ist keine Frage, die ein Piraha einem anderen Piraha stellen würde."

Weder "heute" noch "morgen"

Weil nur über das unmittelbar Erlebte gesprochen wird, kennen die Piraha weder Schöpfungsmythen noch andere Überlieferungen, weder gibt es ein Wort für "heute" noch eines für "morgen". Was Daniel Everett aber am meisten verblüffte, war das Fehlen von Zahlen. Zwar unterscheidet man zwischen eins, zwei und vielen, ein Zählsystem kennen die Piraha aber nicht.

"Wenn man ein Piraha-Kind in Wien erziehen würde, würde es lernen, fließend Deutsch zu sprechen, es würde genauso zählen wie jedes andere Kind seines Alters", so Everett. "Aber sie brauchen nicht zu zählen. Deshalb haben sie keine Begriffe für Zahlen und kein Zählsystem entwickelt. Der wahrscheinlich interessanteste Aspekt dieser Sprache ist, wie gut sie in ihre eigene Kultur passt. Die Einfachheit des Satzbaus, das Fehlen von Zahlen - es passt zu ihrem Lebensstil."

Das Fehlen von Worten für Zahlen sei letzten Endes das Ergebnis kultureller Einschränkungen, ist Daniel Everett überzeugt.



Die Relevanz des Augenblicks

Weil im Leben der Regenwaldbewohner nur das Erfahren des Augenblicks relevant ist, fehlen in ihrer Sprache auch die Nebensätze, behauptet der Sprachforscher. So verbinden die Piraha niemals zwei einzelne Aussagen in einem Haupt- und Nebensatz. Ein Beispiel: Die Aussagen "Der Mann sitzt im Kanu" und "Er fängt Fische" würde in der Sprache der Piraha nie zu einem Satzkonstrukt wie "Der Mann, der im Kanu sitzt, fängt Fische" verbunden werden. Genau diese Behauptung Everetts war es auch, die für viel Aufregung sorgte.

"Als ich behauptete, dass die Piraha keine Nebensätze kennen, nannte man mich einen Lügner, einen Scharlatan, einen Rassisten", erzählt Everett. "Ich weiß nicht, wie das passiert ist. Es stimmt, dass, wenn das Piraha keine Nebensätze kennt, das ein großes Problem für die am meisten verbreitete linguistische Theorie ist: Noam Chomskys 'Universale Grammatik'."

Die Fähigkeit, komplexe Satzstrukturen zu bilden, sei ein Merkmal, das die knapp 7.000 lebenden Sprachen verbinde, behauptete der Linguist Noam Chomsky in seiner Universalgrammatik. Es sei genau diese Fähigkeit, die uns Menschen vom Tier unterscheide - und diese Fähigkeit sei bereits im menschlichen Hirn angelegt. Also universell. Die Forschungen Daniel Everetts konnten diese These nicht unterstützten und lösten einen wahren Glaubenskrieg unter Linguisten aus.


Der Einfluss auf den Missionar

Everetts Buch "Das glücklichste Volk: Sieben Jahre bei den Piraha-Indianern am Amazonas" ist aber mehr als eine theoretische Abhandlung linguistischer Phänomene. Der Forscher beschreibt darin auch sehr persönlich, wie die fremde und faszinierende Weltsicht der Piraha seine eigene Lebenseinstellung von Grund auf änderte:

"Ich habe die lebensverändernde Entscheidung getroffen, mich von der Religion abzuwenden. Insofern haben die Piraha mich mehr beeinflusst als ich sie. Das Außergewöhnlichste, das den Menschen auffällt, die die Piraha mit mir besuchen, ist ihre Zufriedenheit. Wie sie einfach den ganzen Tag am Strand sitzen und hungern oder fischen. Wenn in der Nacht ein Sturm kommt, alle nass macht und die Häuser umwirft, weil die sehr wackelig gebaut sind, regt das niemanden auf. Sie lachen und drängen sich zusammen und sprechen die ganze Nacht, und am nächsten Tag wird geschlafen. Es ist ihre Belastbarkeit und ihre Fähigkeit, mit Problemen umzugehen. Es ist nicht so, dass ihr Leben einfacher wäre als unseres. Sie sind glücklicher wegen ihrer inneren Kraft und der kulturellen Werte, die westliche Kulturen nicht mehr besitzen. Das hat mich zweifellos beeinflusst, als ich ihnen über Jesus erzählte und versuchte, sie zu bekehren. Ich stellte fest, dass sie bereits glücklicher waren als alle Christen, die ich kannte. Und sie hatten fest verankerte Werte. Ihre Fröhlichkeit ist nicht oberflächlicher Natur."

Daniel Everett erzählt sehr persönlich von der Konfrontation mit der ihm am Beginn so fremden Welt der Piraha. Das macht "Das glücklichste Volk. Sieben Jahre bei den Piraha-Indianern am Amazonas" zu einer gelungenen Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht, Abenteuererzählung und wissenschaftlichem Sachbuch - eine Lektüre, die nicht nur das Fachpublikum begeistern kann.

 3sat Bericht: